"Unterwegs powered by Otto Group" hat vor einigen Wochen zu einer Blogparade aufgerufen. Thema: "#Zukunftsblick: Die Welt von morgen". Eine Glaskugel, was morgen "in" sein wird, habe ich leider nicht. Aber etwas Wissen, ein wenig Erfahrung und eine Ahnung, was sich im Bereich Digitales Marketing, E-Commerce & Co. abspielen könnte.

Konkret möchte ich im Rahmen dieses Beitrags auf eine Entwicklung eingehen. Bei dieser nehme ich an, dass Sie in den nächsten Jahren Realität wird und nochmal zu erheblicher Veränderung führt.

Die App-Economy & der Mobile-First Ansatz


Die eine Sache, bei der ich mit einer massiven Veränderung rechne, sind Apps im Rahmen der Mobile-First Bewegung. tl;dr: Ich gehe davon aus, dass der Markt für Smartphone Apps in den kommenden Jahren massiv einbrechen wird. Zwar werden immer mehr "Dinge" mobil erledigt. Aber klassische Webseiten holen durch jüngste technologische Entwicklungen wie die Accelerated Mobile Pages (AMP) [1] und Progressive Web Apps (PWA)[2] massiv auf. Siehe hierzu auch meinen Beitrag über den Relaunch der BMW.com unter Nutzung von AMP & PWA-Technologie.

Der Aufstieg der App-Economy


Es ist gut 10 Jahre her, seit Apple mit dem iPhone das erste "Smartphone" auf den Markt gebracht hat. Wirklich viel konnte das iPhone damals noch nicht. Doch ein neuer Markt wurde eröffnet. Dieser wuchs in den kommenden Jahren rasant. Ein Blick auf die Google Trends Analyse zum Begriff "Smartphone" bestätigt dies:


Es hat zwar nach dem Start einige Zeit gedauert, bis der Massenmarkt dafür wuchs. Aber spätestens ab 2010 sieht man die deutlich steigende Nachfrage nach Smartphones. Insbesondere um die Weihnachtszeit. Das Smartphone ist ein klassisches Weihnachtsgeschenk.

Smartphones bieten dabei etwas ganz spezielles: Sie lassen sich mit Apps versorgen. Um das Smartphone herum sind separate Märkte entstanden. Für Hüllen, Schutzfolien aber eben auch für Apps. Digitale Güter, die - einmal programmiert - beliebig vervielfältigt werden können. Der dahinterstehende Markt wurde 2012 auf eine Milliardensumme geschätzt[3].

Die App wird auch heute noch massiv nachgefragt:


Eines Muss man aber klar festhalten: Nur wenige Apps erreichen Millionen oder gar Milliarden an Installationen. Die breite Masse bewegt sich im niedrigen Bereich.

Die Vorteile der App lagen dabei lange Zeit klar auf der Hand: Individuelle Anwendungen, mobilfreundlich und mit einer großartigen Usability, schnelle Ladezeiten verglichen zu Webseiten im 3G oder gar EDGE Netz. Man denke hierbei nur an den Boom rund um Angry Birds.

Bei aller Euphorie: Apps hatten aber auch Nachteile, die man nicht einfach wegwischen kann. Eine Webseite kann man quasi "immer" aufrufen. Eine App muss erst installiert werden. Updates müssen nachinstalliert werden. Speicherplatz am Endgerät geht dadurch "verloren" (sprich ist belegt). Viele Apps lassen ein Smartphone gerne unübersichtlich werden.

Verdrängung durch AMP & PWA & Co.?


Die Vorteile der Apps waren etwas, was Webseiten lange Zeit nicht abbilden konnten. Insbesondere was die Usability angeht. Ein Fingerwischen am Smartphone führte zu einer Instant-Reaction der App am Gerät. Die Smartphone-Browser waren hier meist genügsamer in der Reaktion. Nicht zuletzt, weil viele Webseiten unter keinem "Mobile First" Aspekt entwickelt wurden. Gepaart mit langsam(er)en mobilen Netzen wurde das mobile Surfen zum Horror. Die App war damit zwangsläufig der Gewinner.

Die Vorteile der Apps übernehmen, die Nachteile mobiler Nutzung minimieren. So könnte man Googles Initiativen hinsichtlich AMP und PWA zusammenfassen. Vereinfacht ausgedrückt (und massiv eingekürzt) bieten die beiden Tools im Kern ja folgendes.

AMP: Webseiten laden sehr viel schneller auf dem Smartphone/Tablet als bisher (u.a. wegen CDN-Einsatz, Komprimierung, uvm.)

PWA: Webseiten erhalten dadurch zunehmend mehr Merkmale, die bisher nativen Apps am Smartphone vorbehalten waren. Die Nutzung mobiler Webseiten wird dadurch am Smartphone "App-like".

Man nehme nun diese beiden Bemühungen, addiere sie, behalte dabei im Hinterkopf dass diese Initiativen vor nicht einmal 2 bzw. 3 Jahren gestartet sind, schon erhält man ein Gefühl dafür, wohin die Reise geht. Ein weiterer Faktor dürfte diese Entwicklung zusätzlich begünstigen.

Google hat Anfang 2018 bestätigt [4], dass die Ladegeschwindigkeit einer Seite beim mobilen Suchranking Einfluss nehmen wird. Es ist eine der wenigen Situationen, in denen sich Google offiziell hinsichtlich eines Rankingfaktors äußert.

Daher ist es fast unnötig zu erwähnen, dass insbesondere im Bereich Digitales Marketing versuche unternommen werden (besser: bereits wurden), auf dieses Update vorbereitet zu sein. Ein Weg dahin: Die Website nicht nur Mobile-First aufbauen, sondern eben sehr schnell machen. Etwa durch den Einsatz von AMP.

Einige Unternehmen haben bereits gezeigt, dass Sie sowohl auf den Mobile-First Trend als auch auf die Page Speed Bedürfnisse vorbereitet sind. Allen voran BMW, welche mit dem Relaunch von BMW.com sowohl AMP als auch PWA-Technologie integriert haben.

Quintessenz - Der App-Markt wird sich verändern


Für mich scheint die technologische Reise in den kommenden Jahren damit sehr eindeutig auszufallen. Die Apps werden in der Zukunft mit Sicherheit nicht verschwinden. Aber bedingt durch neue Technologien der vergangenen 2-3 Jahre werden sich Webseiten unter Mobile-First Gesichtspunkten völlig neu aufstellen können (und müssen!). Ob diese Entwicklung für die App-Economy positiv verläuft, bleibt daher abzuwarten.

[1]https://www.ampproject.org/

[2]https://developers.google.com/web/progressive-web-apps/

[3](Ansgar Mayer, App-Economy - Milliardenmarkt Mobile Business, 2012)

[4]https://webmasters.googleblog.com/2018/01/using-page-speed-in-mobile-search.html


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